Die Führungskraft als Facilitator und Mentor

Dr. Arlena Jung

Mit der zunehmenden Komplexität von Kundenanforderungen kann sich ein Team bei der Erreichung von Projektzielen immer weniger auf herausragende Einzelleistungen stützen. Um Projektherausforderungen zu meistern und qualitativ hochwertige Ergebnisse termingerecht zu liefern, braucht es die Ressourcen, die Expertise und vor allem den kollegialen Zusammenhalt aller Teammitglieder.


Unternehmen und Teams brauchen Führungspersonen, welche die Fähigkeit besitzen Mitarbeiter zu befähigen und ganze Teams zu Hochleistung zu motivieren. Wie aber gelingt es ein leistungsorientiertes Miteinander auf Augenhöhe zu etablieren? Welche Haltung, welche Führungsverständnis braucht es?

Die Führungskraft als Facilitator

Erforderlich ist die Fähigkeit auf Augenhöhe zu führen und als „facilitator“ zu fungieren. Führung auf Augenhöhe bedeutet kontinuierlich daran zu arbeiten, ein stabiles Arbeitsbündnis mit seinen Mitarbeitern zu etablieren und für ein wertschätzendes Miteinander zu sorgen. All dies ist eine Frage der Haltung. Es ist aber auch eine Frage von Kommunikationstechniken, Abläufen, Meeting-Formaten und Steuerungsinstrumenten. Führungsverantwortung bedeutet in diesem Kontext nämlich vor allem die Verantwortung durch Klarheit und ein strukturiertes Vorgehen für Ziel- und Lösungsorientierung zu sorgen.

Die Führungskraft als „facilitator“ sorgt dafür, dass Meinungsunterschiede als Ressource genutzt werden, dass Auseinandersetzungen auf der Sachebene nicht in Konflikte auf der Beziehungsebene überschwappen, dass Ownership und die Identifikation mit den eigenen Leistungen und Arbeitsergebnissen Mitarbeiter und Teammitglieder zu Höchstleistung antreiben, ohne aber in Konkurrenzkämpfe zu münden.

Bei sachlichen Auseinandersetzungen schlüpft die Führungskraft in eine fragende, abwägende Haltung. Ihr geht es nicht darum, Differenzen möglichst schnell aus dem Weg zu räumen, um eine verbindliche Entscheidung zu treffen. Ihr geht es zunächst einzig und allein darum, durch gezieltes Fragen sowie die unterschiedlichen Sichtweisen zu erforschen, das Spannende und Wertvolle an ihnen zu entdecken. Erst nachdem die Sichtweisen verstanden und damit auch gewürdigt wurden, widmet Sie sich der Frage einer Lösung – und zwar mit dem sichtbaren und spürbaren Ziel zu integrieren, d.h. Lösungswege zu finden, die beiden Sichtweisen, beide Anliegen möglichst gerecht wird.

Dabei spricht die Führungskraft in ihre Rolle als Facilitator durch ihre Art der Gesprächsführung eine klare Einladung aus. Ihre Einladung ist mit einer offenen, forschenden Haltung sich ziel- und lösungsorientiert gemeinsam auf die Suche nach integrativen Lösungswegen zu begehen. Ihr Anliegen ist nicht die bestmögliche Lösung in Form einer unauflösbaren Verpflichtung, sondern eine stimmige Übereinkunft, die reflektiert und ggf. angepasst und modifiziert werden kann.

Somit sorgt sie für eine Arbeitsatmosphäre in der Herausforderungen als anregend, Differenzen als bereichernd erlebt werden. Anstatt endlosen, polarisierenden Grundsatzdebatten mit vielen kleinen Egos, die alle nach Anerkennung schreien, wächst die Bereitschaft, das Interesse und auch die Lust an einem wirklichen, lösungsorientierten Dialog.

Die Führungskraft als Mentor
Die Führungskraft als Mentor hat nicht nur das Team als Ganzes im Blick, sondern jedes einzelne Teammitglied. Sie strebt kontinuierlich danach jedes einzelne Teammitglied mit seinen individuellen Ressourcen und Stärken aber auch mit seinen individuellen Bedürfnissen in Anliegen in das Team gut zu integrieren. Sie versteht es jeden einzelnen Mitarbeiter mit Blick auf seine Stärken und Ressourcen zu würdigen und zu fördern. In ihre Rolle als Mentor versteht sie aber auch, dass was manchen Teammitgliedern leicht fällt, für andere eine große Herausforderung und auch belastend sein kann. Sie ist in der Lage in einer wohlwollenden aber auch klaren Haltung Feedback zu geben und jeden einzelnen Teammitglied darin zu stärken, sich kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Die Führungskraft als Mentor, weiß aber, dass Teams aus Menschen bestehen und dass, wenn Menschen auf Dauer zusammen leben, arbeiten oder spielen, hin und wieder persönliche Befindlichkeiten die Harmonie stören. Sie nimmt Ermüdung, Demotivation und Frustration bewusst wahr und hat keine Scheu Spannungen anzusprechen und proaktiv auf Konflikte zu reagieren. Sie versteht es aber nicht als Ihre Aufgabe in einer fürsorglichen Haltung die Befindlichkeiten eines jeden einzelnen Mitarbeiters individuell gerecht zu werden. Vielmehr spricht sie auch hier durch ihre Haltung und Art der Gesprächsführung eine klare Einladung an ihre Mitarbeiter aus. Sie zeigt damit sehr deutlich was sozial erwünscht ist: Was sie von ihre Mitarbeiter erwartet ist eine durch alle Teammitglieder gemeinsam getragene Mitverantwortung für ein wertschätzendes Miteinander durch die aktive und lösungsorientierte Gestaltung des Zwischenmenschlichen.